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Managed Server: Was der Aufpreis abdeckt

Patching, Überwachung, Notfallreaktion: was Anbieter unter managed verstehen, welche Aufgaben trotzdem bei dir bleiben und welche Fragen vor dem Vertrag geklärt gehören.

Zuletzt geprüft: Gedacht für: Teams ohne eigene Systemadministration

Das Wichtigste

  • „Managed" ist kein definierter Begriff. Der Leistungsumfang steht in der Leistungsbeschreibung, nicht im Produktnamen.
  • Fast immer enthalten: Betriebssystem-Updates, Grundabsicherung, Hardware-Überwachung. Fast nie enthalten: deine Anwendung.
  • Reaktionszeit ist nicht Wiederherstellungszeit. Eine Zusage über die erste Rückmeldung sagt nichts über die Dauer bis zur Lösung.
  • Auch mit Managed Server bleiben Anwendungsupdates, Backup der Inhalte und Zugriffsverwaltung deine Aufgabe.

„Managed” ist ein Marketingbegriff ohne feste Bedeutung. Zwei Anbieter mit demselben Produktnamen können sehr unterschiedliche Leistungen erbringen. Entscheidend ist die Leistungsbeschreibung.

Was üblicherweise enthalten ist

  • Betriebssystem und Serverdienste aktuell halten. Sicherheitsaktualisierungen für Kernel, Webserver, PHP, Datenbank.
  • Grundabsicherung. Firewall, Abwehr von Anmeldeversuchen, gesperrte Standardzugänge.
  • Überwachung der Infrastruktur. Erreichbarkeit, Plattenplatz, Dienste laufen.
  • Hardware- und Netzausfälle. Austausch, Umzug auf andere Hardware.
  • Snapshots oder Image-Sicherungen des Servers, oft mit begrenzter Aufbewahrung.
  • Support zur Serverkonfiguration.

Was fast nie enthalten ist

  • Deine Anwendung. CMS-Updates, Plugin-Updates, Framework-Versionssprünge.
  • Inhaltliche Sicherungen. Ein Snapshot des Servers ist kein Datenbank-Dump, den du selektiv zurückspielen kannst.
  • Anwendungsüberwachung. Dass der Webserver läuft, heisst nicht, dass dein Shop bestellbar ist.
  • Fehlersuche in deinem Code.
  • Absicherung deiner Anwendung. Eine veraltete Erweiterung mit bekannter Lücke ist deine Baustelle.

Der Unterschied zwischen “der Server läuft” und “die Seite funktioniert” ist genau der Bereich, für den du zuständig bleibst.

Fragen vor dem Vertrag

Frageworauf es hinausläuft
Welche Software wird aktualisiert, welche nicht?die Grenze zwischen Anbieter und dir
Wie schnell werden Sicherheitslücken geschlossen?Zusage in Stunden oder Tagen
Was wird überwacht, und wer wird alarmiert?Erreichbarkeit oder auch die Anwendung
Reaktionszeit und Servicezeiten?24/7 oder Werktags 9 bis 17 Uhr
Bekomme ich Root-Zugriff, und was passiert dann mit der Betreuung?eigene Änderungen möglich oder nicht
Wie oft und wie lange werden Sicherungen aufbewahrt?wie weit du zurück kannst
Kann ich einzelne Dateien wiederherstellen oder nur den ganzen Server?Ausfalldauer im Ernstfall
Was kostet der Wechsel zu einem anderen Anbieter?Bindung durch Aufwand

Die Frage nach der Reaktionszeit wird oft missverstanden. Eine Zusage von 30 Minuten bedeutet meist: Innerhalb dieser Zeit meldet sich jemand. Wie lange die Lösung dauert, sagt sie nicht. Nach der Wiederherstellungszeit muss man separat fragen, und viele Anbieter geben dazu keine Zusage.

Verfügbarkeitszusagen lesen

ZusageAusfall pro MonatAusfall pro Jahr
99,0 %ca. 7,2 Stundenca. 3,7 Tage
99,5 %ca. 3,6 Stundenca. 1,8 Tage
99,9 %ca. 43 Minutenca. 8,8 Stunden
99,99 %ca. 4,3 Minutenca. 53 Minuten

Drei Dinge stehen im Kleingedruckten:

  1. Geplante Wartung zählt meist nicht als Ausfall.
  2. Gemessen wird oft nur die Netzwerkerreichbarkeit, nicht ob deine Anwendung antwortet.
  3. Die Entschädigung ist eine Gutschrift auf die Monatsgebühr – bei einem Shop deckt sie den Umsatzausfall nicht annähernd.

Wer Verfügbarkeit wirklich braucht, kommt um Redundanz nicht herum. Eine Zusage im Vertrag ersetzt keinen zweiten Standort.

Was du trotzdem selbst einrichten solltest

Eigene Überwachung von aussen. Ein unabhängiger Dienst, der alle paar Minuten eine echte Seite abruft und auf einen erwarteten Inhalt prüft – nicht nur auf den Statuscode. Dann merkst du es, bevor der Anbieter es meldet.

Eigene Sicherung deiner Daten. Datenbank-Dump und Dateien, an einen Ort ausserhalb des Servers. Snapshots des Anbieters helfen bei Hardwareausfällen, nicht bei einer versehentlich gelöschten Tabelle vor drei Wochen.

Eine dokumentierte Wiederanlaufreihenfolge. Wenn der Server neu aufgesetzt werden muss: Welche Software, welche Konfiguration, welche Zugangsdaten, in welcher Reihenfolge? Diese Notiz schreibt man im Ruhezustand, nicht im Ausfall.

Häufige Fragen

Aktualisiert der Anbieter auch mein CMS?

In der Regel nicht. Managed bezieht sich auf das Betriebssystem und die Serverdienste. Anwendungsupdates für CMS, Shop oder Plugins sind ein separates Produkt, das oft Application Management heisst und extra kostet.

Was bedeutet eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent?

Rechnerisch rund 43 Minuten Ausfall pro Monat. Wichtiger als die Zahl ist, was der Vertrag als Ausfall definiert: geplante Wartung ist meist ausgenommen, und die Messung erfolgt oft nur auf Netzwerkerreichbarkeit, nicht auf die Funktion deiner Anwendung.

Bekomme ich Root-Zugriff?

Das unterscheidet sich stark. Manche Anbieter geben vollen Zugriff und stellen die Betreuung ein, sobald du selbst etwas änderst. Andere sperren den Zugriff komplett. Kläre das vorher, wenn du eigene Dienste installieren willst.

Lohnt sich Managed gegenüber einem eigenen Administrator?

Für ein einzelnes Projekt fast immer. Eigene Administration lohnt ab einer Grössenordnung, in der die Person ohnehin ausgelastet ist – und selbst dann bleibt die Frage der Vertretung bei Urlaub und Krankheit.